Die allseits beliebte Homepage Leon Haardts Lonely Hearts Club bietet einen multimedialen Marktplatz für alles Überflüssige, Sinnlose, Irr- und Surreale, grenzt sich aber kategorisch ab von wirren Irren, entrückten Verrückten und gefloppten Bekloppten.


  Berliner Volks- & Straßenfeste 

Auch 2008 fand der Karneval der Kulturen am Pfingstwochenende statt. Eine Million Besucher zählte der Veranstalter, die Werkstatt der Kulturen, von Freitag bis Montag zwischen Blücherplatz und Waterlooufer sowie bei den Umzügen. Allein auf dem riesigen Straßenfestgelände präsentierten etwa 900 Künstler auf vier Bühnen Weltmusik, Tanz, Perkussion und interaktive Performances. Auf den Grünanlagen tummelten sich Akrobaten, Zauberer, Seiltänzer, Stelzenläufer, Hellseher, Trommler, Kuriositätenhändler und andere wundersame Wesen. Fast 400 originelle Stände lockten mit
 

Beim Abschminken: Mit Lehm und Pottasche gebleichte Polinnen und Polen aus der ehemals preußischen Keramik- und Töpferstadt Bunzlau (Foto LeonHaardt©2008)

kulinarischen und kunsthandwerklichen Verführungen. Der farbenprächtige Straßenumzug am Sonntag zwischen Hermannplatz und Yorckstraße, den rund 4500 Teilnehmer aus etwa 80 Nationen gestalteten, war der Höhepunkt des multikulturellen Spektakels. Teuflische Gestalten aus Kamerun, Tänzerinnen aus Bolivien und Breakdancer aller Nationen - die meisten sind Berliner - bewegten sich zu den Rhythmen von Fiedlern und Sambatrommlern, einer Brassband sowie einem indonesischen Gamelanorchester.

Unter dem Motto "Hass Du was dagegen?" zogen zehntausende Schwule und Lesben am 28. Juni bunt kostümiert und schrill durch die Berliner Innenstadt. Zum 30. Christopher-Street-Day fuhren gut 50 Wagen mit wummerndem Gedröhne von der Humboldt-Uni zur Siegessäule. 450000 Menschen feierten mit - trotz des schlechten Wetters. Begehrtes Fotomotiv waren kräftig gebaute Herren in Orange, die am Reichpietschufer warteten. „Sorry, das ist kein Kostüm“, stand auf den Shirts der

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Wiedereinführung der Sklaverei (Foto LeonHaardt©2008)

BSR-Müllmänner. Das eine oder andere schwarz-rot-goldene Outfit hatte sich auch auf den CSD verirrt – und stimmte schon auf die Party ein, die unweit der Siegessäule - auf der Fußball-EM-Fanmeile am Sonntag weiterging. In den Sonntag hinein wurde auch - nach der Abschlusskundgebung - im Weekend Club und anderswo im Rahmen der Berlin Pride Weeks, den drei schwul-lesbischen Kulturfestival-Wochen, weitergefeiert.

Die Eröffnung der neuen US-Botschaft am Pariser Platz wurde am 5. Juli mit einem großen, öffentlichen Straßen- & Bühnenfest rund um das Brandenburger Tor gefeiert. Die Hauptbühne des Amerikafestes war auf dem Pariser Platz aufgebaut worden. Doch den American Way of Life suchte man vergebens. Etwa jeder zweite Stand verkaufte Berliner Bier oder Currywürste.

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Nachfahren der amerikanischen Ureinwohner auf dem Fest des weißen Mannes (Foto LeonHaardt©2008)

Auch Vergnügungsangebote waren Mangelware. Highlights des Musikprogramms waren der moslemische Countrypopsänger Kareem Salama, der amerikanische Funkstar Jocelyn B. Smith sowie die gefeierten "Stars in Concert" vom Neuköllner Estrel Festival Center. Die abseits musizierenen Indianer setzten als einzige einen individuellen Farbtupfer.

Selbstverständlich gibt es in der Hauptstadt überall Straßenfeste die sich ab einem gewissen Alkoholpegel kaum von anderen unterscheiden. Das Besondere beim Bergmannstraßenfest ist jedoch, dass die Nachbarschaft mit einbezogen ist. Das wird deutlich beim Trödelmarkt, der Passionskirche am Marheinekeplatz, der Theaterbühne, dem Kunstmarkt in der Nostitzstraße sowie den Modenschauen der Kiez-Boutiquen. Neben den stadtbekannten "Fressbuden" kann

 
Die überzeugende Jimi Hendrix Memorial Band mit drei JimiImiMaTadoren auf der Bühne am Mehringdamm   (Foto LeonHaardt©2008)

man sich alljährlich am Chamissoplatz von Meisterköchen füttern lassen. Doch im Vordergrund steht Musik auf vier Bühnen. An den drei Juni-Tagen spielten 50 der besten Jazz- & Blues-Bands der Stadt und boten einen Überblick über die bunte und vielfältige Jazzszene Berlins. Freunde von Soul, Jazz, Latino und African Beat kamen voll auf ihre Kosten. Für Oldies war in diesem Jahr Phil Bates, der Ex-Gitarist vom Electric Light Orchester, ein Muss

Im Rahmen des Köpenicker Blues- & Jazzfestivals fand Anfang Juli das „Jazz-in-Town–Straßenfest“ mit Markt und Gastronomie statt. Für drei Tage stand die Altstadt im Zeichen des Jazz. Auf vier Open-Air-Bühnen rund ums Rathaus (1 Luisenhain/Lange Brücke, 2 Luisenhain/Dammbrücke, 3 Schlossplatz, 4 Schüsslerplatz) präsentierte die Berliner Jazz- & Bluesszene ganztägig ein Non-Stop-Programm bei überwiegend freiem Eintritt.

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 Sogar die Mütze des Hauptmanns von Köpenick, der 1906 das Rathaus der freien Stadt besetzt hatte, wurde zum Sitzplatz umfunktioniert - eine schamlose Köpenickiade. (Foto: LeonHaardt©2008)

Am 13. Juli richtete die französische Botschaft die Fête Nationale auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor aus. Anlässlich des französischen Nationalfeiertages wurde ein Dorf mit gastronomischen Ständen eröffnet. Für musikalische Begleitung sorgten Bands wie Les Singes Savants, La Crevette d’Acier und Les Blérots de Ravel. Außer Livemusik und Verzehr jedoch keinerlei Angebote! Hier hat sich schon Napoleon gelangweilt, nachdem er 1806 in Berlin einmarschiert war. So kam er auf die Idee, die Quadriga abbauen und als Kriegsbeute nach

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Pferde mit Jeanne-d'Arc-Scheuklappen und die Trocolore auf dem Brandenburger Tore -> vive la France! (Foto: LeonHaardt©2008)

Paris bringen zu lassen. Damals herrschte ein buntes Treiben. Für niedrige Preise verkaufen die Sieger ihre mitgebrachte Beute; Bier und Branntwein flossen in Strömen. Die Stimmung bei den Soldaten und der Bevölkerung ließ mehr an ein ausgelassenes Karnevalstreiben denken als an die erste Begegnung von Siegern und Besiegten. Waren das noch Zeiten! Übrigens: Nach dem Sieg über Napoleon holten sich die Preußen - Blücher sei Dank! - die Quadriga 1814 zurück. Daher die Bezeichnung Retourkutsche! Über ihrem Kopf hat man den Preußenadler und im Lorbeerkranz das Eiserne Kreuz hinzugefügt.

Für einen Euro fünfzig erhält man Zugang zum Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm in Tegel. Mein Besuch fand am 14. Juli statt, also am französischen Nationalfeiertag. Eigentlich wollte ich - am letzten Veranstaltungstag - das Deutsch-französische Volksfest erleben, zumal für den Abend ein Riesenfeuerwerk angekündigt war. Zwar waren die Luft- und Kreisschleudern schwindelerregend, aber mit

Frankofobe "Indianerbahn" mit Totems und Wasserrutsche (Foto: LeonHaardt©2008)

französischem Flair hatte das nichts zu tun. In der hintersten Ecke war ein "französisches Dorf" aufgebaut worden. Auf einem leicht übrschaubaren, kleinen Platz standen kreisförmig ein paar Buden mit Fast Food vom Berliner Großmarkt: Crèpes, Pommes, Käseplatte, Baguette, Flammkuchen, Froschschenkel, Weinbergschnecken, Crevettes und einige Weinsorten. Aber nichts Frisches aus Frankreich. Können die Franzosen nicht mehr feiern? Ist die französische Küche gestorben?


In der ersten Septemberhälfte finden im Viktoriapark die alljährliche Kreuzberger festlichen Tage als sogenanntes "Volksfest mit Weindorf, Kunst und Kultur" statt. Es geht zurück auf die Berliner Blockade, als im März 1949 der sogenannte Graue Markt verkündet wurde. Ein paar Monate später wurde die Verkaufsmesse "Rund um den Kreuzberg" eröffnet, wo man Butter, Fleisch oder Kaffee zu erschwinglichen Preise käuflich erwerben konne. 2008 erlebte der Besucher bei freiem Eintritt den üblichen Schaustellerrummel mit Karussells, Achterbahn oder Luftschaukel, zwei Bühnen mit Gospel, Folklore, Country, Rock'n'Roll und Reggae, Dutzenden von kleinen Info-Ständen, zwei Feuerwerken sowie einigen Sonderveranstaltungen wie Dampferfahrt, Lesungen oder Sportwettkämpfe. Mein Eindruck war: dürftig, mickrig, provinziell, fantasielos, kleinkariert. Den Veranstaltern sind offensichtlich Motiv und Motivation verloren gegangen.


Das Duo Mi Carla hob sich vom allgemeinen 08-15-Betrieb positiv ab (Foto LeonHaardt©2008)

Am (vor)letzten September-Wochenende findet nicht nur der Berliner Marathonlauf statt, sondern es bietet sich auch die Gelegenheit zwei weitere Festlichkeiten zu besuchen. Zum einen ist ganzjährig auf dem Zentralen Festplatz Rummel. Je nach Jahreszeit wird dann der Name geändert, während die Buden immer dieselben sind. Da ist allerhöchste Langeweile angesagt! Das Bierzelt war das einzige Angebot, das man - bei freiem Eintritt - mit dem sogenannten Oktoberfest in Verbindung bringen konnte.

So pittoresk sah das Festzelt auf dem "Oktoberfest" in Wirklichkeit von außen nicht aus. (Foto: LeonHaardt©2008)
Gleichzeitig war "das Elsass in Berlin". Auf dem Potsdamer Platz hieß die Parole: "InsPiration Elsass!" Sehr assoziativ: steckt da nicht das Wort "Pirat" drin? Wie auch immer: Für Fotografen war Langeweile Trumpf. Ohne Fotomontage wäre man aufgeschmissen. Von 16.40 bis 17.40 h eine gähnend leere Bühne, und auch hier keine Spur von Andrang. Da nützt auch die Radiowerbung nichts.

Kulinarisches aus dem Elsass: Käsesuppe, Crêpes, Gugelhupf, Munsterkäse, Flammkuchen, Stopfleber, Knackwurst & Sauerkraut (Foto: LeonHaardt©2008)

Attraktionen der Neuköllner Maientage sind die Aktionswasserbahn und der wild gewordene Fernsehsessel XXL-Explosiv, dessen dick gepolsterte Sicherheitsbügel doch etwas stutzig machen. Die sind allerdings dringend nötig. Ikarus, Deutschlands größtes Flugkarussell, lässt seine Gäste ganz Neukölln betrachten. Auch dabei ist die Wildwasser Raftingbahn, eine rasante Fahrt durch tiefes Wasser und luftige Höhen.

Preisgekröntes Festplakat eines Grundschulwettbewerbs

Das Berliner Riesenrad und das Wellenflieger-Karussell sind eine Gaudi für Alt und Jung. Im Melodie-Star wird man zwischen Himmel und Erde mächtig umhergewirbelt. Die Altweiber-Mühle lässt ihre Besucher die Wege durch viele Gassen suchen. Im Kino Power-Machine kann man Live-Action erleben. 70 Schausteller bieten von 14 bis 24 Uhr bei freiem Eintritt Shows, Attraktionen und Erfrischungen in der malerischen Umgebung der Hasenheide.

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